Überlebensfaktor Schlaf

Schlafentzug als Experiment

Als sich der 42-jährige Brite Tony Wright 2007 rühmte, 266 Stunden Schlafentzug unbeschadet überstanden und damit einen neuen Weltrekord aufgestellt zu haben, sahen Schlafmediziner/innen das mit Skepsis: Die Spätfolgen derartiger Experimente sind kaum abzusehen. Weil die Frage, warum wir schlafen, wissenschaftlich extrem schwer zu beantworten ist, konzentriert sich die Forschung schon seit längerem auf die umgekehrte Fragestellung: Was passiert, wenn wir nicht oder zumindest weniger schlafen? Und so stand rasch in der sog. Schlafentzugsforschung fest: Schlaf ist überlebenswichtig. Selbst wenn wir unter keiner behandlungspflichtigen Schlafstörung leiden, schädigen wir unseren Organismus massiv, so wir ihm zu wenig Schlaf gönnen. Zu rigorosen Veranschaulichung gern zitiert werden Experimente mit Nagern, die nach zwei- bzw. dreiwöchigem Schlafentzug verstarben. Noch lieber zitiert wird die extrem selten auftretende, weltweit (!) erst bei 22 Familien nachgewiesene sog. „Fatale familiäre Insomnie“, eine Erbkrankheit, die zur kompletten Schlafunfähigkeit und damit unweigerlich zum Tode führt.

Ergebnisse der Schlafentzugsforschung

Aber natürlich muss man nicht gleich mit Kanonen auf Spatzen schießen: Dass Schlaf eine essentielle Bedeutung für unsere Gesundheit zukommt, lässt sich ebenso im Kleinen veranschaulichen. Wiederholt führte die Schlafentzugsforschung Versuche durch, bei denen Proband/innen ein bis zwei Stunden weniger schlafen durften als üblich. Obwohl die Experimente nur auf wenige Tage begrenzt waren, zeigten sich bei den Versuchspersonen rasch massive Veränderungen – in puncto Aufmerksamkeit, Reaktionsvermögen, Gedächtnisleistung, Hormonhaushalt, Immunsystem und Stimmungslage. Obendrein lassen mehrere Studien einen Zusammenhang zwischen Schlafdauer und Sterblichkeit vermuten: Menschen mit einer durchschnittlichen Schlafdauer von sieben Stunden pro Tag werden am ältesten. Wer daraus voreilig schließt, zu kurzer oder zu langer Schlaf führe zwangsläufig zu vorfrühem Tode, liegt dennoch falsch: Er sollte bedenken, dass einige Studienteilnehmer/innen möglicherweise unentdeckt krank waren und deshalb kürzer oder länger schliefen. Entscheidender als blanke Statistikgläubigkeit ist letzendlich die Berücksichtigung des individuellen Schlafbedürfnisses. Zweifelt man am persönlichen Schlafbedarf, sollte man (schlaf-)medizinischen Rat einholen.


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