Napoleon contra Einstein

Kurz- und Langschläfer

Napoleon Bonaparte und Albert Einstein werden gerne zu Extremschläfern stilisiert: Angeblich schloss Napoleon pro Nacht maximal vier Stunden die Augen, Albert Einstein zwölf. Ob der streitbare französische Feldherr wegen seines chronischen Schlafmangels nicht doch bisweilen bei bedeutenden Terminen selig wegnickte, findet sich leider nirgendwo erwähnt. Feststeht dagegen, dass ein durchschnittlicher Mitteleuropäer – rein statistisch betrachtet – rund sieben Stunden Schlaf benötigt, um erholt durch den Tag zu gehen. Wie viele Stunden jeder einzelne wahrhaftig braucht, sollte keine Frage der Statistik, sondern des persönlichen Wohlbefindens sein. Der für seine markigen Sprüche bekannte Napoleon jedenfalls, das ist klar, wandelte mit seinem gern zitierten Irrglauben, ein Mann benötige vier, eine Frau fünf, ein Hohlkopf sechs Stunden, mächtig auf dem Holzweg.


Nicht nur eine Frage der Gene

Schlafbedürfnis im Spiegel von Jahreszeit, Geschlecht und Lebensalter

Unsere übereifrige Leistungsgesellschaft stempelt Langschläfer gerne zu verkappten Taugenichtsen. Ob wir zu den Kurz- oder Langschläfern gehören, ist jedoch kaum eine Leistungs- oder Willensfrage, sondern – ähnlich wie unsere „Programmierung“ als Früh- oder Spättyp – genetisch fixiert. Ob zusätzlich das Geschlecht eine Rolle spielt, ist wissenschaftlich umstritten: Laut einiger Untersuchungen, schlafen Frauen unter zeitgeberfreien Bedingungen im Schlaflabor länger als Männer (9,8 vs. 8,4 Std.). Eine Antwort über die Ursache ist die Wissenschaft bislang allerdings schuldig geblieben. Feststeht hingegen: Unser Schlafbedürfnis bildet kein lebenslanges Kontinuum: Im Winter sehnen wir normalerweise mehr Schlaf herbei als im Sommer. Menschen, die in Regionen mit ausgeprägtem jahreszeitlichem Wechsel leben, schlafen im Winter bis zu zwei Stunden länger. Obendrein beeinflussen Stress und Erkrankungen unser Schlafverhalten. Und ebenso das Lebensalter: Babys benötigen täglich 16 bis 18 Stunden Schlaf. Mancher Senior knappe sechs.


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